Digitaler FingerabdruckEin digitaler Fingerabdruck ist heute kaum noch zu vermeiden. Wir nutzen das Internet auf vielfältige Weise und legen dabei unzählige Benutzerkonten an. Social-Media, digitale Abos, Broker, Banken, Versicherungen, Versandhäuser, oft kann man selbst gar nicht mehr überschauen, wo man überall ein Benutzerkonto besitzt. Entsprechend herausfordernd wird es für die Hinterbliebenen, den digitalen Fingerabdruck zu entfernen, wenn das Schlimmste eintritt.

Wenn ein geliebter Mensch aus dem Leben scheidet, bleiben seine digitalen Spuren erhalten. Hinterbliebene werden durch diesen digitalen Fingerabdruck immer wieder mit dem schmerzhaften Verlust konfrontiert und müssen sich auf eine endlose Odyssee begeben, wenn der digitale Fingerabdruck aus dem Netz entfernt werden soll.

Das Netz vergisst nicht, es sei denn, man kümmert sich bewusst darum. Für die Beseitigung digitaler Spuren ist eine Übersicht nötig, wo man überall suchen muss. Deshalb ist der sogenannte „Digitale Nachlass“ in unserer vernetzten Welt von sehr großer Bedeutung.

Wenn man sich um das digitale Erbe kümmern möchte, beginnt das bei Eigentumsrechten an Hardware wie Computern, Smartphones und Tablets, ja sogar Fernsehgeräte oder Spielekonsolen haben oft Accounts zu Spieleentwicklern oder Streamingdiensten. Die Nutzungsrechte an Softwareprodukten, die Rechte an Webseiten, im Netz gespeicherte Bilder, Videos, Texte, Domains oder Blogs und gespeicherte Daten auf lokalen Datenträgern, externen Festplatten, USB-Sticks, SD-Karten, im Internet und in Clouds, alle Nutzerkonten und Zugangsdaten fallen in diese Baustelle.

Anbieter reagieren

Der US-Konzern Apple stellt beispielsweise ein Angebot für die sogenannte digitale Nachlassverwaltung bereit. Nutzer von Apple-Geräten und damit der Apple-Software- und Cloudlösungen bestimmen Nachlasskontakte, die im Todesfall mithilfe der Sterbeurkunde des Verstorbenen Zugriff auf die Daten im Onlinespeicher iCloud der verstorbenen Person erhalten und diese löschen oder anderweitig speichern können.

Es ist anzunehmen, dass es beizeiten mehr solche Angebote geben wird. Allerdings müssen die Hinterbliebenen dafür über eine hinlängliche Auflistung aller Dienste und Anbieter verfügen, um ihre Rolle als digitale Nachlassverwalter wahrnehmen zu können. Bedenkt man, dass der Tod auch viel zu früh und unerwartet eintreten kann, zeigt sich, dass es sinnvoll ist, sofort mit so einer Dokumentation zu beginnen und diese permanent zu pflegen.

Datenverlust meist unausweichlich

Da die Initiative der Firma Apple bisher noch keine breite Nachahmerschaft findet, kommt man derzeit nicht umhin, Benutzernamen, Passwörter und Authentifizierungswege für bestehende Accounts für Hinterbliebene zu dokumentieren. Denn oft wird nach dem Einloggen noch ein Code auf eine E-Mail oder ein Hady geschickt, bevor man vollen Zugriff erhält. Tut man das nicht, sind viele Daten wie Fotos, E-Mails, Kurznachrichten oder Gesundheitsdaten in der Regel unwiderruflich verloren.

Eigenverantwortung ist also zwingend notwendig, da man nicht weiß, wie lange weitere Angebote seitens der Unternehmen auf sich warten lassen. Jeder Nutzer hinterlässt oft unzählige Spuren auf vielen digitalen Konten, Abonnements und Diensten. Mit diesen müssen sich die Hinterbliebenen im Todesfall herumschlagen, wenn sie die Daten löschen wollen. Viele Abos kosten Geld, welches einfach weiter abgerechnet wird, sollte man als Erbe keine Ahnung darüber haben. Diese Kosten müssen dann die Erben so lange bezahlen, bis sie es schaffen, die Anbieter zu identifizieren und das Abo zu kündigen. Vor allem bei Diensten im Ausland kann das schwierig werden, wenn die Kontaktmöglichkeiten durch schlechte Erreichbarkeit oder eine Sprachbarriere eingeschränkt sind.

Beim Tod eines Menschen geht der digitale Nachlass auf die Erben über und damit sämtliche Verantwortung und sämtliche finanzielle Verpflichtungen. Gerade die Verantwortung kann es in sich haben, falls der verstorbene Mensch Medien nutzte, zu denen die Rechte nicht vorhanden waren. Falls sich die Urheber melden, kann das teuer für die Erben werden.

Die meisten Verträge enden nicht mit dem Tod

Häufig werden virtuelle Geldbörsen (Wallets) übersehen. Auch ein YouTube-Account mit Werbeeinnahmen, online abgeschlossene Verträge mit Versandhändlern oder Auktionsplattformen oder auch Zugriffsrechte auf online verwahrte Dokumente können schnell vergessen werden. Heutzutage kann alles Mögliche online verwahrt werden, seien es Gehaltsabrechnungen, Kontoauszüge oder sogar Gesundheitsinformationen. Diese Verträge enden oft nicht mit dem Tod und deshalb verbleiben ohne Intervention durch die Hinterbliebenen alle übermittelten und gespeicherten Daten beim jeweiligen Anbieter.

So kann man es den Erben leichter machen

Allert Anfang ist schwer. Deshalb sollte man die Herausforderung am besten sofort annehmen und sich um die Regelung für seinen digitalen Nachlass kümmern. Wenn der Anfang getan ist, sollte man sich angewöhnen, jeden neuen Account oder Vertragsschluss sofort in die Dokumentation aufzunehmen. Es sollte auch in einer Vollmacht schriftlich festgelegt werden, was nach dem Tod mit den Online-Konten, Passwörtern und anderen digitalen Daten passieren soll. Dieser Person sollte dann auch die Dokumentation zugehen, damit entschieden werden kann, ob Profile in sozialen Netzwerken und andere Accounts gelöscht werden sollen.

Eine Vertrauensperson kann als digitaler Nachlassverwalter benannt werden. Diese kann sich nach dem Tod um die Rechte und Pflichten aus Verträgen mit Internetdiensten kümmern. Sofern es einen unternehmerischen Hintergrund gibt, sollte selbstverständlich darauf geachtet werden, dass die Regelungen für den privaten und den unternehmerischen Nachlass getrennt werden.

Professionelle Unterstützung ist bei so einem anspruchsvollen Thema sehr ratsam. Unabhängige Finanzplaner und -berater wie die Ansprechpartner bei ABATUS stehen gern mit Rat und Unterstützung zur Verfügung. Hier bestehen meist Kooperationen mit anderen Fachberatern (Rechtsanwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Notare), was individuell zugeschnittene Lösungen gewährleisten kann.


 

Autor:

Burkhard Matz

 


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