Altersvorsorgeangebote ohne WirkungAltersvorsorgeangebote gibt es wie Sand am Meer. Die Banken und Versicherungen haben über Jahrzehnte Produkte geschaffen, die laut allgemeiner Meinung als Altersvorsorgeprodukte betrachtet werden. Besonders fatal ist es, dass ein Berater, der sich im Bereich der Altersvorsorge jenseits dieser Produktkreationen betätigt, sich in eine Haftungsfalle begibt.

Altersvorsorgeangebote müssen in erster Linie eines sein, sicher! Und diese Sicherheit wird damit definiert, dass die vorsorgende Person ihr Geld nicht verlieren darf. Geld verlieren bezieht sich dabei auf nominale Werte. Wer 100 Euro in ein Altersvorsorgeangebot einzahlt, soll diese 100 Euro auch wieder herausbekommen.

Diese Theorie entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Schließlich gibt es in der Geldwert-Welt-Angebote mit sehr hohen Kosten. Aber das scheint wohl in Ordnung zu gehen, denn ein Berater, der für die Altersvorsorge eine Lebens- oder Rentenversicherung platziert, braucht sich von der rechtlichen Seite her keine Sorgen machen.

Wir haben das Thema Geldwerte bereits im letzten Beitrag angeschnitten. Mit Geldwerten kann man Geld anhäufen. Aber das kann man auch, wenn man es in der Matratze einnäht oder unter das Kopfkissen packt. Mir geht es darum, den Unterschied zwischen Geldanhäufung und Vermögensaufbau darzustellen. Die traditionellen Altersvorsorgeangebote werden stets als sinnvolle Möglichkeiten für den Vermögensaufbau dargestellt. Aus meiner Sicht ist das aber nicht zutreffend.

Was ist denn Vermögensaufbau?

Vor dem Vermögensaufbau kommt immer zuerst die Vermögenssicherung. Und einfach nur Geld anzuhäufen ist kein Vermögensaufbau, jedenfalls nicht so, wie ich den Vermögensaufbau definieren würde. Wenn wir zum Beispiel 10.000 Euro als ersten Baustein zum Vermögensaufbau betrachten, kann dieser Vermögensaufbau nicht nur darin bestehen, weitere 10.000 Euro auf den Stapel zu legen.

Nein, die ersten 10.000 Euro müssen so investiert werden, dass zumindest die zum Investitionszeitpunkt vorhandene Kaufkraft erhalten bleibt. Ich gebe Ihnen ein Beispiel:

Wir befinden uns um Jahr 1921. Angenommen ein Großvater hat zwei Enkel; Zwillinge. Für jeden möchte der Großvater einen Schatz vergraben, den die Enkel später finden und sich Wünsche damit erfüllen können.

Für ein Enkel macht der Großvater ein Kästchen voll mit 500 20-Mark-Banknoten. Das Kästchen für den anderen Enkel füllt der Großvater mit 500 20-Mark-Münzen. Damit hat der Großvater für beide Enkel die gleiche Summe in Kästchen verpackt und vergräbt diese im Garten.

Heute, 100 Jahre später sind beide Enkel bereits tot. Aber deren Kinder finden die Kästchen. Was finden sie darin wohl vor?

In dem einen Kästchen finden wir 50 wertlose Banknoten. Im anderen Kästchen sind 500 20-Mark-Münzen. Beide sind heute keine gesetzlichen Zahlungsmittel, beide haben also einen Nominalwert von Null. Allerdings bestanden die 20-Mark-Münzen damals aus Gold. Jeder dieser Münzen hatte einen Feingoldanteil von 7 Gramm. Per 31.07.2021 läge der erzielbare Preis für diese 500 Münzen bei 171.990 Euro (Grammpreis: 49,14 Euro).

Das mag jetzt sehr viel klingen, aus 10.000 Mark sind schließlich 171.990 Euro geworden. Tatsächlich wurde aber nur die damalige Kaufkraft gespeichert. 10.000 Mark war damals ein recht stattlicher Betrag. Auf den ersten Blick unterliegen wir einer Täuschung, denn wir vergleichen 10.000 mit 171.990. Die Währungen werden zur Nebensache und treten in den Hintergrund. Dass es bis heute von der Mark zu Euro noch einige weitere Währungen gab, vergessen wir einfach.

1921 hatte Deutschland bereits eine recht hohe Inflationsrate. Diese beschleunigte sich genau in diesem Jahr 1921, als das sogenannte Londoner Ultimatum bekanntgegeben wurde. Vor dieser Bekanntgabe konnte man für 10.000 Mark fast die gleiche Menge Waren kaufen wie heute für 171.990 Euro. Es gab also in diesen 100 Jahren kein Vermögenswachstum, sondern lediglich Vermögenserhalt.

Viel interessanter ist aber das andere Kästchen, in dem sich das Papiergeld befand. Selbst wenn diese 10.000 Papier-Mark heute noch als Zahlungsmittel akzeptiert würden, wären diese sicherlich nicht so viel wert wie 171.990 Euro. Aber es gab in diesen 100 Jahren:

  • Die Währungsreform 1924.
  • Die Währungsreform 1948 in den Westzonen.
  • Die Währungsreform 1948 in der Sowjetischen Besatzungszone.
  • Der Geldumtausch 1957 in der Deutschen Demokratischen Republik.
  • Einführung der D-Mark in der DDR 1990.
  • Die Umstellung auf den Euro.

Die Umstellung von der Mark auf die Rentenmark erfolgte im November 1923 mit einem Kurs von 1.000.000.000.000 M zu 1 RM (1 Billion Mark zu 1 Rentenmark). Hier war bereits der Käse gegessen, denn die Geldwerte wurden komplett entwertet.

Heute steigt die Inflation ebenfalls. Wir haben derzeit zwar eine völlig andere politische Situation aber wir haben wie damals immense Schulden, eine immense Geldmenge und deshalb ähnliche Probleme.

Nein, mit Geld ist Vermögensaufbau nicht möglich. Und damit fallen sämtliche traditionellen Altersvorsorgeangebote automatisch als Altersvorsorgemöglichkeiten aus. Vermögen kann nur außerhalb des Geldsystems aufgebaut werden. Wie wir dies erreichen, zeige ich Ihnen im dritten und letzten Teil unserer kleinen Serie.

Wenn Sie Teil 1 unserer kleinen Reihe verpasst haben, können Sie diesen hier finden.


 

Autor:

Matthias Krapp Geschäftsführer

Matthias Krapp

 


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