Gelassenheit bei der Kapitalanlage ist dann besonders herausfordernd, wenn außergewöhnliche Umstände eintreten. Nehmen wir die Nachrichten zu den Entwicklungen rund um den Ukraine Konflikt der letzten 2-3 Wochen zum Anlass, um eine persönliche Einschätzung, gepaart mit historischen Erkenntnissen vorzunehmen.

Zunächst ist mir wichtig, dass ich mit dieser nüchternen Analyse keinesfalls die menschlichen Tragödien, die sich derzeit in der Ukraine abspielen vergessen lassen möchte. Konflikte gibt es jederzeit auf der Welt und diese ziehen immer großes Leid für die Menschen nach sich. Dennoch möchte ich mich in meiner Funktion als Berater hier allein auf die wirtschaftlichen Aspekte beschränken.

Sorgen über einen potenziellen Krieg in der Ukraine und die daraus folgenden Auswirkungen auf die Aktienmärkte sind verständlich. Die Angst vor einem Bärenmarkt oder sogar einem Crash ist nicht unbegründet. Jedoch sind derartige Ereignisse nicht neu und der Markt gibt genügend Beispiele dafür, wie er damit fertig wurde. Historische Analysen können hierbei sehr hilfreiche Einblicke gewähren.

Die Geschichte zeigt uns, dass Schwankungen an den Börsen vor Konflikten häufig sind, da die Unsicherheit über den Umfang und die Auswirkungen der potenziellen Kämpfe wächst. Eine große Rolle fällt dabei den Medien zu, die gemäß dem Grundsatz Bad News Are Good News um Klicks, Auflage und Aufmerksamkeit buhlen. Aufmerksamkeit zieht Werbekunden an, das darf man nie vergessen!

Die Schlagzeilen halten dann die Anleger in Atem. Weit verstreute potenzielle negative Nachrichten lösen bei Menschen Angst und Unsicherheit aus. Sobald das Ergebnis der Ereignisse in eine klare Richtung geht, heben die Märkte normalerweise ab – was das uralte Mantra signalisiert:

„Anleger verkaufen in der Angst; Investoren kaufen wenn Kanonen donnern“.

Manchmal lösen sich die Spannungen und bringen Erleichterung.

Dennoch steigen Aktien nach Ausbruch von Kämpfen normalerweise nicht, weil Märkte und Investoren Krieg mögen, sondern weil die Unsicherheit abnimmt, wenn der Umfang des Problems vollständiger umrissen wird.

Seit dem Beginn qualitativ guter Daten und Aufzeichnungen im Jahr 1925 löste nur ein einziger bewaffneter Konflikt tatsächlich einen Bärenmarkt aus: der Zweite Weltkrieg.

Das war ein seltener Fall einer regionalen Auseinandersetzung, der sich dann weltweit ausbreitete.

Gelassenheit bei der Kapitalanlage - Schaubild 1

Die Turbulenzen zwischen Russland und der Ukraine gibt es bereits seit vielen Jahren und sie scheinen unfähig zu sein, eine Lawine aus einem Schneeball zu bilden, da die Ukraine kein Mitglied der NATO ist.

Insofern gibt es keinen einzigen Präzedenzfall dafür, einen Bärenmarkt auszulösen.

Märkte sind nicht wie Menschen. Für die Märkte gibt es keine Bewertung für Ereignisse in Kategorien „gut“ oder „schlecht“. Stattdessen preisen sie altbekannte Informationen gefühllos und mechanisch vorab ein und machen weiter. Sie „denken“ fast immer 3 bis 30 Monate in die Zukunft.

Wenn es also um Investitionsentscheidungen geht, schalten Sie bitte Ihre Emotionen ab und folgen Sie einfach dem Markt.

Das Jahr 2020 („Corona-Krise“) ist ein Paradebeispiel. Die Nachricht über eine tödliche Seuche traf die Menschen emotional. Die Medien taten, was sie immer tun, sie nutzen die Ängste der Menschen. Die Aktien brachen ein, um kurz darauf stärker anzusteigen als zuvor. In dieser Situation war es richtig, investiert zu bleiben beziehungsweise in der Schwäche freie Liquidität zu nutzen und nachzukaufen.

Wer beim kurzfristigen Einbruch des Marktes panisch verkaufte, hatte das Nachsehen. Denn hier war natürlich fraglich, ob nach einem Panikverkauf überhaupt eine Reinvestition erfolgen würde und wenn ja, zu welchem Zeitpunkt und zu welchem Preis? Gelassenheit bei der Kapitalanlage war also in dieser Situation ein entscheidender Erfolgsfaktor.

Gelassenheit bei der Kapitalanlage - Schaubild 2

Es zeigte sich eindrucksvoll, dass für mittel- bis langfristige Investoren das Risiko, die besten Tage zu verpassen einfach zu groß ist. Jede anschließende Erholung erfolgt unangekündigt und wird mit hoher Wahrscheinlichkeit leicht verpasst.

Gelassenheit bei der Kapitalanlage - Schaubild 3

Sowohl die Vergangenheit als auch die Zeit während Corona belegen, dass unsere favorisierte „Effizienzmarkthypothese“ oder anderes ausgedrückt, „das Schwarmwissen der Masse“ (all unser Wissen und alle Erwartungen der Menschen werden sofort an den Börsen eingepreist und es wird nicht Monate gewartet, dass sich die Erwartungen bestätigt) funktioniert. Dabei muss es sich nicht nur um Finanzinformationen handeln, sondern auch politische oder gesellschaftliche Vorfälle fließen in die Aktienkurse ein.

Aus diesem Grund raten wir Ihnen, investiert zu bleiben, denn am Ende wurden Aktionäre, die wie Sie, mit der WERTE-Strategie (ca. 10.000 – 11.000 Titel, keine Übergewichtungen und Klumpenrisiken) extrem breit und weltweit investieren waren, dafür immer belohnt.

Börsengewinne sind Schmerzensgelder. Erst kommen die Schmerzen, dann das Geld.

André Kostolany


 

Autor:

Matthias Krapp

Matthias Krapp

 


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Quelle: Dividendenadel, Christian W. Röhl

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