Selbst wer beim Investieren konsequent den schlechtesten Zeitpunkt erwischt, kann langfristig Vermögen aufbauen. Warum Geduld, Disziplin und breite Streuung wichtiger sind als perfektes Timing.

Wenn schlechtes Timing nicht schadet

Viele Anleger warten auf den „richtigen Moment“. Doch was, wenn dieser nie kommt – oder stets verpasst wird? Eine aktuelle Simulation eines großen Vermögensverwalters liefert eine überraschend klare Antwort: Selbst ein Investor mit ausgesprochen schlechtem Timing kann langfristig erfolgreich sein – sofern er investiert bleibt.

Ein denkbar ungünstiges Szenario

Für die Analyse wurde ein Extremfall konstruiert: Ein Anleger investiert über drei Jahrzehnte hinweg immer genau vor größeren Markteinbrüchen. Die Einstiege fallen ausgerechnet in Phasen wie die Asienkrise, den Kollaps um Russland und LTCM, die Dotcom-Blase, die globale Finanzkrise, die Corona-Turbulenzen sowie jüngste geopolitische Spannungen.

Das Kapital wird nicht aktiv gesteuert, sondern konsequent in ein weltweit diversifiziertes Aktienportfolio investiert. Umschichtungen finden nicht statt, Erträge werden reinvestiert – ein klassischer Buy-and-Hold-Ansatz.

Das Ergebnis überrascht

Trotz dieser denkbar ungünstigen Einstiegszeitpunkte entwickelt sich das Portfolio positiv: Aus insgesamt investierten Mitteln von 45.000 Franken wird über die Jahre nahezu eine Verdopplung. Zwischenzeitliche Verluste sind teils erheblich, doch der langfristige Trend zeigt klar nach oben.

Zum Vergleich wurde dasselbe Einzahlungsmuster in einem konservativen Szenario betrachtet: als reines Guthaben auf einem verzinsten Konto. Hier fällt das Ergebnis deutlich bescheidener aus. Trotz niedriger Schwankungen bleibt das Wachstum begrenzt.

Warum Aktien langfristig überlegen sind

Die Erklärung liegt in grundlegenden Mechanismen der Kapitalmärkte. Produktivitätsgewinne, wirtschaftliches Wachstum und Innovation treiben Unternehmensgewinne langfristig an. Hinzu kommt der Zinseszinseffekt, insbesondere durch reinvestierte Dividenden.

Kurzfristige Marktschwankungen – so schmerzhaft sie sein mögen – verlieren über lange Zeiträume an Bedeutung. Entscheidend ist nicht der Einstiegszeitpunkt, sondern die Dauer der Investition.

Die eigentliche Lektion für Anleger

Die zentrale Erkenntnis ist ebenso simpel wie unbequem: Wer ständig auf bessere Einstiegsgelegenheiten wartet, riskiert, Chancen zu verpassen. Märkte erreichen regelmäßig neue Höchststände – nicht als Ausnahme, sondern als Ausdruck ihres langfristigen Wachstums.

Disziplin, breite Diversifikation und ein langer Anlagehorizont sind daher entscheidender als taktisches Agieren. Auch in unsicheren Zeiten gilt: Nicht investiert zu sein, kann das größere Risiko darstellen.

Gerade für Berater und Vermögensverwalter bietet dieses Szenario eine wertvolle Argumentationshilfe. Es zeigt, dass selbst unter ungünstigen Bedingungen ein strukturierter Ansatz bessere Ergebnisse liefern kann als abwartendes Verhalten.

Fazit

Der Versuch, den perfekten Zeitpunkt zu erwischen, bleibt eine Illusion. Wer hingegen investiert bleibt, gibt dem Kapital die Chance zu wachsen. Oder anders gesagt: Zeit im Markt schlägt Timing – selbst dann, wenn das Timing denkbar schlecht ist.

Bei Fragen einfach fragen.

Schreiben Sie uns gerne in die Kommentare.

Verfasser: Matthias Krapp

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