Erben und Schenken – Steuerlast senken durch sinnvolle GestaltungErben und Schenken zieht oft eine Steuerlast nach sich. Diese Steuerlast lässt sich jedoch mindern oder sogar vermeiden, wenn man sich mit legalen Gestaltungsmöglichkeiten auskennt. Beispielsweise können durch gewerbliche Beteiligungen Steuern reduziert werden. Aber auch andere Finanzinstrumente ermöglichen die Vermögensübertragung mit einer geringeren Steuerlast.

Die Geldvermögen der Deutschen steigen, die Immobilienpreise klettern in schwindelnde Höhen und die Börsen jagen einen Rekord nach dem anderen. In Deutschland wird es dadurch mehr steuerpflichtige Erbschaften mit einer höheren, zu versteuernden Erbmasse geben. Auf der anderen Seite wurden die steuerlichen Freibeträge nach der Steuerreform 2007 nicht mehr angehoben. Vermögende Familien sollten sich daher rechtzeitig mit dem Thema Erben und Schenken beschäftigen.

Von 2009 bis 2020 ist das vererbte Vermögen von Euro 21,5 Milliarden auf Euro 50,2 Milliarden angewachsen. Das vererbte Betriebs- und auch das Grundvermögen ist in nur einer Dekade um mehr als das Doppelte angewachsen. Deshalb sind Gestaltungen zur Steuervermeidung beim Erben und Schenken gerade jetzt so wichtig.

Gestaltungsspielraum beim Betriebsvermögen

Bezüglich des Steuerwertes gibt es im Verhältnis mehr Schenkungen als Erbschaften beim Betriebsvermögen und bei Anteilen an Kapitalgesellschaften. Beim Grundvermögen dagegen kommen mehr Erbschaften als Schenkungen vor. Schenkungen werden mit steigendem Steuerwert und einer ungünstigen Steuerklasse des Beschenkten sinnvoller und attraktiver. Mit Ausnahme von Geschwistern liegen die Freibeträge naher Verwandter bei Schenkungen bei Euro 100.000 (Urenkel, Eltern und Großeltern), Euro 200.000 (Enkelkinder), Euro 400.000 (Kinder, Enkelkinder, deren Eltern verstorben sind sowie Stief- und Adoptivkinder) und bis zu Euro 500.000 für Ehegatten und eingetragene Lebenspartner.

Der Eingangssteuersatz beginnt bei 7 Prozent bis zu einem Steuerwert von Euro 75.000 und endet bei einem Steuersatz von 30 Prozent bei einem Steuerwert von Euro 26 Millionen. Für Geschwister in der Steuerklasse II und alle übrigen Erben in Steuerklasse III beläuft sich der Freibetrag auf lediglich Euro 20.000. Die Eingangssteuersätze betragen 15 Prozent in Steuerklasse II bzw. 30 Prozent in Steuerklasse III und enden bei einem Steuerwert von Euro 26 Millionen bei 43 Prozent (Steuerklasse II) sowie 50 Prozent (Steuerklasse III).

Gegenwärtig werden nicht alle Vermögensarten gesetzlich gleichbehandelt. Das Betriebsvermögen genießt erhebliche Vergünstigungen, die interessante schenkungssteuerliche Möglichkeiten bieten. Da der Freibetrag alle 10 Jahre genutzt werden kann, sollte möglichst früh mit Übertragungen an die nächste Generation begonnen und diese regelmäßig wiederholt werden. Es gibt beim Erben und Schenken begünstigungsfähiges Vermögen. Um den generationsübergreifenden Fortbestand von Unternehmen zu fördern, hat der Gesetzgeber Betriebsvermögen zu Schonungsvermögen erklärt und weitreichende Erleichterungen festgesetzt.

Diese Verschonung ist an die Fortsetzung des Unternehmens und der Erhalt der Arbeitsplätze gekoppelt. Dazu muss das Betriebsvermögen mindestens 5 Jahre im Eigentum des Erben verbleiben. Zusätzlich muss die Lohnsumme über 5 Jahre 400 Prozent betragen. Der Verschonungsabschlag beträgt bei der Regelverschonung 85 Prozent des Betriebsvermögens. Es ist auch eine vollständige Verschonung möglich, wenn der Erbe das Unternehmen für 7 Jahre fortführt und dies vorher erklärt. In diesem Fall muss die Lohnsumme über 7 Jahre 700 Prozent betragen.

Zusätzlich wird ein Abzugsbetrag in Höhe von Euro 150.000 gewährt. Dies soll vor allem kleine Betriebe begünstigen. Zusammen mit dem Verschonungsabschlag von 85 Prozent kann so ein Betriebsvermögen von bis zu Euro 1 Million steuerfrei übertragen werden. Die Freibeträge des Erben / Beschenkten werden dabei nicht angetastet. Bei Schenkungen von mehr als Euro 1 Million schmilzt der Abzugsbetrag jedoch ab, so dass sich der Abzugsbetrag ab einem übertragenen Betriebsvermögen von 3 Millionen Euro nicht mehr auswirkt.

Von diesen Regelungen profitieren auch gewerbliche unternehmerische Beteiligungen. Bei der Schenkung eines Anteils an einer gewerblichen unternehmerischen Beteiligung wird steuerlich der Preis herangezogen, der bei einem gewöhnlichen Verkauf zu erzielen wäre. Das kann auch der aktuelle Zweitmarktkurs sein, der in der Regel erheblich unter dem Wert liegt bzw. liegen kann, der
sich bei einem Verkauf des gesamten Unternehmens anteilig ergeben würde. Auch bei Anteilen einer gewerblichen unternehmerischen Beteiligung kann der Abzugsbetrag in Höhe von Euro 150.000 in Anspruch genommen werden.

Steuerliche Gestaltung mit Versicherungen und Policen-Mänteln

Die steuerliche Behandlung von Versicherungen gewährt ebenfalls einige Gestaltungsmöglichkeiten. Beispielsweise kann die persönliche Absicherung mit Risikoversicherungen über Kreuz gestaltet werden. Paare können sich gegenseitig für den Todesfall versichern. Über Kreuz bedeutet hier, dass ein Partner als Versicherungsnehmer seine Partnerin als versicherte Person absichert und umgekehrt. Im Falle eines Unglücks mit Todesfolge fällt die Versicherungsleistung nicht in die Erbmasse, verbraucht keine Freibeträge und ist somit vollständig steuerfrei.

Die Auszahlungen von Risikoversicherungen können übrigens auch zur Begleichung von Erbschaftssteuerzahlungen verwendet werden. Das erspart dem Steuerpflichtigen bei hohen Steuerforderungen und einem zu geringen Kontostand die Liquidation von Vermögenswerten, wenn das Timing für den Verkauf gerade ungünstig ist.

Erben und Schenken ist mit Policen-Mänteln sehr gut zu gestalten. Wenn Eltern für ihre Kinder im Rahmen der Freibeträge Geld in ein kosteneffizientes und breit diversifiziertes Portfolio investieren, kann dies innerhalb eines abschlusskostenfreien Nettopolicen-Mantels erfolgen. Dabei können bis zu 400.000 Euro (pro Elternteil) übertragen werden.

Versicherungsnehmer wird in so einem Fall das zu begünstigende Kind. Für den Fall eines gewünschten Mitbestimmungsrechts wird eines der beiden Elternteile mit einem Anteil von 1 Prozent zweiter Versicherungsnehmer. Trotz unterschiedlicher Anteile bedarf es bei sämtlichen (Teil)-Verfügungen immer der Zustimmung aller Versicherungsnehmer. Das Kind kann somit keine eigenmächtige Entnahme tätigen. Zusätzlich kann bereits zu Beginn festgelegt werden, dass dieses Vetorecht nach Tod des zweiten Versicherungsnehmers auf das andere Elternteil übergehen soll.

Eine besondere Bedeutung bei Policen-Mänteln hat die sogenannte versicherte Person. Verstirbt diese, erhält der Begünstigte sämtliche zuvor aufgelaufenen Gewinne unabhängig der Anlagedauer zu 100 Prozent steuerfrei. Ist dieser gleichzeitig Vertragsinhaber (was auf das Enkel zutrifft) unterliegt die Auszahlung auch keiner Erbschaftssteuer.

Moderne Vermögensmanager empfehlen in diesen Konstellationen, eines der beiden Elternteile des Kindes als versicherte Person einzusetzen, da diese sehr wahrscheinlich vor dem Kind versterben und somit oben beschriebene Steuerfreiheit zum Tragen kommt. Bei Einsatz eines Policen-Mantels für die Schenkung ergeben sich für die begünstigten Kinder Unterschiede bis zu 100 Prozent im Auszahlungswert.

Nach diesem Prinzip kann ebenfalls die Übertragung an Enkel unter Berücksichtigung der entsprechenden Freibeträge gestaltet werden.

Erben und Schenken kann bei einer ganzheitlichen Beratung rechtzeitig berücksichtigt und gestaltet werden. Dadurch kann man rechtzeitig die mögliche Steuerlast mindern. Im Netzwerk der ABATUS wird dieses Thema stets berücksichtigt.


 

Autor:

Michael Renze

 

Bildrechte: Bernd Liebl, Magdeburg


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