Viele Menschen träumen davon, mit der richtigen Aktie den großen Vermögenssprung zu schaffen. Die Realität an den Börsen sieht jedoch deutlich nüchterner aus: Die Mehrheit aller Einzelaktien liefert langfristig keine außergewöhnlichen Gewinne – viele vernichten sogar Kapital.
Eine umfangreiche Langzeituntersuchung des Finanzforschers Hendrik Bessembinder zeigt ein erstaunliches Bild des Aktienmarktes: Zwar entstand über Jahrzehnte hinweg ein enormer Wohlstand durch Aktieninvestments, doch dieser Erfolg verteilt sich extrem ungleich.
Der Durchschnitt täuscht
Auf den ersten Blick wirken die Zahlen beeindruckend. Über viele Jahrzehnte hinweg erzielten Aktienmärkte enorme Renditen und schufen Billionen an Vermögenswerten. Wer jedoch genauer hinsieht, erkennt ein entscheidendes Problem:
Der durchschnittliche Gewinn aller Aktien ist zwar hoch – doch der typische Einzeltitel entwickelt sich oft deutlich schlechter.
Der sogenannte Medianwert lag in der Studie sogar im negativen Bereich. Das bedeutet: Mehr als die Hälfte aller untersuchten Aktien brachte Anlegern langfristig Verluste ein.
Mit anderen Worten:
Der Erfolg des Aktienmarktes wird von einer vergleichsweise kleinen Gruppe außergewöhnlich erfolgreicher Unternehmen getragen.
Wenige Gewinner ziehen den gesamten Markt nach oben
Die wirklich großen Renditen stammen nicht von Tausenden Unternehmen gleichzeitig. Stattdessen sorgen einige wenige Börsenstars dafür, dass die Gesamtmärkte steigen.
Unternehmen wie Apple, Microsoft, Nvidia oder Amazon haben in den vergangenen Jahrzehnten enorme Werte geschaffen. Ohne diese Ausnahmekonzerne sähe die langfristige Bilanz vieler Aktienmärkte deutlich schwächer aus.
Das erklärt auch, warum Stock Picking so schwierig ist:
Man muss nicht einfach „gute Aktien“ finden – sondern jene wenigen Ausnahmeunternehmen, die über viele Jahre außergewöhnlich wachsen.
Das eigentliche Risiko vieler Anleger
Viele Privatanleger glauben, ein breit gestreutes Depot aus 10 oder 15 Einzelaktien sei bereits ausreichend diversifiziert. Tatsächlich steigt damit jedoch das Risiko, genau die wenigen langfristigen Gewinner zu verpassen.
Denn wenn nur eine kleine Zahl von Unternehmen den Großteil der Rendite erzeugt, kann das Fehlen dieser Titel erhebliche Auswirkungen auf den Vermögensaufbau haben.
Deshalb schneiden breit gestreute ETFs langfristig oft besser ab als die meisten privaten Einzelaktiendepots:
Sie enthalten automatisch auch die großen Gewinner von morgen.
Was Anleger daraus konkret lernen können
1. Diversifikation ist kein Luxus – sondern Pflicht
Je breiter ein Portfolio aufgestellt ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit, an den wenigen großen Gewinnern beteiligt zu sein.
2. Nicht jede bekannte Aktie ist automatisch ein gutes Investment
Viele Unternehmen verschwinden langfristig wieder vom Markt oder entwickeln sich schwächer als erwartet.
3. Geduld ist entscheidend
Die größten Gewinner entfalten ihre Stärke oft erst über viele Jahre hinweg. Kurzfristiges Handeln verhindert häufig den eigentlichen Vermögensaufbau.
4. ETFs lösen ein zentrales Problem
Wer den Gesamtmarkt kauft, muss nicht vorhersagen, welche Firma künftig dominiert. Die Gewinner steigen automatisch stärker im Index auf.
Fazit
Der Aktienmarkt wächst langfristig – aber nicht gleichmäßig. Hinter den starken Durchschnittsrenditen steckt eine unbequeme Wahrheit:
Nur wenige Unternehmen erzeugen den Großteil des gesamten Börsenerfolgs.
Für Anleger bedeutet das:
Nicht die Anzahl der Trades entscheidet über den Erfolg, sondern die Fähigkeit, langfristig investiert zu bleiben und die großen Gewinner nicht zu verpassen.
Gerade deshalb sind breite Diversifikation, langfristiges Denken und eine klare Strategie oft erfolgreicher als die permanente Suche nach dem nächsten „Geheimtipp“.
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